Growth Mindset

Nov. 25, 2024

Ideen Growth Mindset

Growth Mindset an weiterführenden Schulen: Sind meine SuS nicht schon zu alt dafür?

Das Growth Mindset – ein Begriff, den die renommierte Psychologin Carol Dweck geprägt hat – beschreibt eine Denkweise, die auf kontinuierlichem Lernen, Training und harter Arbeit basiert. Es stellt die Überzeugung in den Mittelpunkt, dass sich Fähigkeiten entwickeln lassen, statt als festgelegtes Talent betrachtet zu werden. Im Gegensatz dazu steht das Fixed Mindset, das davon ausgeht: Was ich nicht kann, werde ich nie können.
Nun könnte man denken: Schön und gut, aber wenn meine SuS auf der weiterführenden Schule angekommen sind, ist das Thema vielleicht schon gegessen. Lohnt sich ein Fokus auf das Growth Mindset überhaupt noch? Die Antwort ist ein klares: Ja, unbedingt!

Denn in der Schule liegt der Fokus oft auf Defiziten: „Was können meine SuS nicht? Was bedeutet das für die Note?“ Die klassische Bewertung startet bei Perfektion, und jeder Fehler wird bestraft. Das fördert starres Denken und demotiviert. Noten werden zu einem Urteil – statt Teil eines Lernprozesses. Hier hilft das Growth Mindset: Lernen ist kein Zustand, sondern eine Entwicklung. Und Fehler sind keine Hindernisse, sondern Fortschrittsmarken. Ein Beispiel: Wenn ein Aufsatz zunächst viele Rechtschreibfehler enthält, geht es darum, die Fehlerquellen zu benennen, damit sie geübt werden können und im nächsten Aufsatz weniger werden. Dieses Umdenken kann enorm motivieren – unabhängig vom Alter.

Funktioniert dieses Umdenken auch noch in der Pubertät? Ja! Studien zeigen, dass das Gehirn bis ins Erwachsenenalter anpassungsfähig bleibt. Gerade Jugendliche profitieren davon, wenn sie lernen, Herausforderungen mit einer „Ich kann das noch nicht“-Haltung zu begegnen. Es liegt an uns Lehrkräften, diese Perspektive ins Klassenzimmer zu bringen.

Wie kann Growth Mindset konkret aussehen?

Hier sind ein paar Ideen, wie du die Prinzipien des Growth Mindset in deinen Unterricht integrieren kannst:

1. Fehler feiern

Schaffe eine Atmosphäre, in der Fehler als Lernchance verstanden werden. Besprecht gemeinsam, was aus ihnen gelernt werden kann.

2. Prozesse belohnen, nicht nur Ergebnisse

Lobe den Aufwand und die Ausdauer, die jemand zeigt – nicht nur die Note oder das Endergebnis.

3. „Noch“ in den Wortschatz integrieren

Ermutige deine SuS, Sätze wie „Ich bin schlecht in Mathe“ in „Ich bin noch nicht gut in Mathe“ umzuwandeln.

4. Fortschritte sichtbar machen

Nutze individuelle Fortschrittsvergleiche statt des direkten Vergleichs mit anderen. Das motiviert, weil deine SuS sehen, wie weit sie gekommen sind.

5. Feedback mit Perspektive

Dein Feedback sollte nicht nur auf das Jetzt eingehen, sondern Perspektiven fürs Weiterlernen aufzeigen: „Ich sehe, dass du dich beim Satzbau verbessert hast. Lass uns jetzt an der Kommasetzung arbeiten.“

 

Fazit: Growth Mindset – eine Investition in die Zukunft
Deine SuS sind nie zu alt, um ihre Denkweise zu verändern. Im Gegenteil: Gerade in der Phase des Übergangs ins Erwachsenenleben können die Prinzipien des Growth Mindset den Grundstein für ein lebenslanges Lernen legen. Wenn wir als Lehrkräfte den Prozess statt nur das Ergebnis in den Vordergrund rücken, geben wir unseren SuS ein Werkzeug an die Hand, das weit über die Schule hinausreicht. Denn am Ende geht es darum, aus jedem „Das kann ich nicht“ ein „Das kann ich noch nicht“ zu machen. Und genau das ist die Haltung, die nicht nur in der Schule, sondern auch im Leben zählt.